ARTHROSE

Arthrose des Kniegelenks

Die Arthrose des Kniegelenks, Gonarthrose genannt, gehört zu den häufigsten Abnutzungserscheinungen der Gelenke. Der fortschreitende Gelenkverschleiß führt dazu, dass der Knorpel im Kniegelenk zerstört wird.
Arthrose ist nicht nur altersbedingt. Denn während bei manchem Fünfzigjährigen die Gelenke noch prima in Schuss sind, zeigen sie bei anderen bereits mit Dreißig deutliche Verschleißerscheinungen. Viele verschiedene Ursachen können die Entstehung einer Gonarthrose begünstigen. Zunächst werden zwei verschiedene Formen unterschieden: Sind äußere Faktoren an der Entstehung des Gelenkverschleißes beteiligt, sprechen Mediziner von einer sekundären Arthrose. Manchmal lassen sich aber auch überhaupt keine Gründe dafür finden, warum die Krankheit bei einer Person auftritt – in diesem Fall sprechen Mediziner von einer primären Arthrose.

Verschiedene Formen
Primäre Arthrose
Dabei handelt es sich um Arthrose, die ohne ersichtlichen Grund auftritt. Die genauen Ursachen sind noch nicht ausreichend erforscht. Die Wissenschaft vermutet eine erbliche Veranlagung. Deshalb wird intensiv nach Genen geforscht, die hinter der Krankheit Arthrose stecken könnten. Klar ist inzwischen jedenfalls, dass eine genetische Vorbelastung nicht zwangsläufig zum Verschleiß der Gelenke führen muss: Auch wer die riskanten Gene trägt, kann ein Leben lang gesunde Gelenke haben. Es steht also nicht allein auf den Chromosomen geschrieben, wer Arthrose bekommt.
Sekundäre Arthrose
Die häufigere Ausprägung, deren Hintergründe heute besser bekannt sind: Äußere Faktoren wie Übergewicht oder aber Vorerkrankungen wie Sportverletzungen, Fehlstellungen oder anhaltende Belastungen. Meist steht eine Kombination aus mehreren Ursachen hinter dem Krankheitsgeschehen. Diese sollten möglichst genau identifiziert werden, um gezielt in den Abbauprozess eingreifen zu können.

Ursachen einer sekundären Arthrose:
- Verletzungen und Unfälle
Viele Kniearthrosen treten in Folge von Unfällen und Verletzungen auf – mitunter erst nach Jahren.

- Anhaltende Überlastung
Werden bestimmte Bewegungen Tag für Tag und über Jahre hinweg ausgeführt, kann dies zur Überlastung der betreffenden Gelenke führen. Berufsbedingte Arthrosen sind keine Seltenheit. So entwickeln beispielsweise Fliesenleger häufig eine Kniegelenksarthrose.

- Fehlstellungen
Manche Menschen entwickeln in der Jugend eine Fehlstellung des Kniegelenks, zum Beispiel in Form von O-Beinen. Dies führt zu einer ungünstigen Mehrbelastung und kann den Abbau des Knorpels beschleunigen.

- Übergewicht
Überflüssige Pfunde sind Gift für die Gelenke. Besonders für jene, die am schwersten an der Leibesfülle zu tragen haben – die Hüft- und vor allem die Kniegelenke.

- Gelenkentzündungen
Entzündliche Gelenkerkrankungen können den Knorpel schädigen und eine Arthrose begünstigen.

Symptome
Zu den typischen Anzeichen einer Kniegelenksarthrose zählen:
- Schmerzen im Knie beim Treppensteigen sowie beim Gehen auf unebenem Gelände
- Die Schmerzen sind zu Beginn der Bewegung stark (Anlaufschmerz), lassen dann langsam nach, tauchen aber nach längerer Belastung wieder auf (Belastungsschmerz)
- durch Tragen von schweren Gegenständen verstärken sich die Beschwerden
- nach langem Sitzen treten Schmerzen hinter der Kniescheibe auf
- knirschende und knackende Geräusche beim Bewegen des Knies
- Empfindlichkeit gegenüber feucht-kaltem Wetter

Medikamente
Das Ziel der Behandlung mit Medikamenten ist es, die Symptome der Kniegelenksarthrose zu beseitigen: Schmerzen zu lindern, die Entzündungen zu hemmen und so die Beweglichkeit wieder herzustellen, beziehungsweise zu verbessern. Schließlich sollen Bewegungen so bald als möglich wieder schmerzfrei oder zumindest weniger schmerzhaft durchzuführen sein.

Nichtsteroidale Antirheumatika
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sind Medikamente, welche die Schmerzen lindern und Entzündungsprozesse hemmen können. Sie enthalten kein Kortison, daher ihr Name: Mit der Bezeichnung "nichtsteroidal" grenzt man sie von den kortisonhaltigen Präparaten ab. Typische Vertreter dieser Arzneigruppe sind zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac und Ketoprofen. Sie alle kommen bei schmerzhaften Gelenkbeschwerden zum Einsatz und sind bis auf wenige Ausnahmen ohne Rezept erhältlich.
Andere Schmerzmittel
Manchmal werden bei Kniegelenksarthrose auch andere Schmerzmittel, ohne den entzündungshemmenden Effekt der NSAR eingesetzt. Sie dienen ausschließlich der Linderung der Beschwerden.
Kortisoninjektionen
Die heute übliche Art der Anwendung von Kortison in der Arthrosetherapie ist die Injektion: Dabei wird ein Glukokortikoid, das dem körpereigenen Kortikoid verwandt ist, direkt in das Kniegelenk gespritzt (oft kombiniert mit einem lokalen Betäubungsmittel). Das hat den Vorteil, dass der Stoff ausschließlich dort wirkt, wo er auch gebraucht wird. Anders als mit Kortison in Tablettenform ist also nicht der gesamte Organismus belastet. Kortikoide wirken entzündungshemmend. Injektionen mit diesen Arzneimitteln können daher bei einer aktivierten Arthrose, bei der anderen Therapiemaßnahmen nicht greifen, kurzfristig sinnvoll sein.

Nichtmedikamentöse Behandlung
Dabei kommen , physikalische Behandlungen, wie unter anderem Wasseranwendungen, sowie orthopädische Verfahren zum Einsatz. Sind diese Optionen ausgeschöpft, werden operative Maßnahmen herangezogen, um eine Besserung der Beschwerden zu erreichen.
Krankengymnastik
Krankengymnastische Übungen verbessern die Beweglichkeit der Kniegelenke und wirken zugleich muskelstärkend und schmerzlindernd.
 Eine gute und regelmäßige Krankengymnastik kann im Frühstadium der Arthrose bereits ausreichend sein, um die Beschwerden zu lindern. Sofern die Übungen richtig ausgeführt werden – weshalb Krankengymnastik auch unter Aufsicht geschulter Therapeuten erfolgen muss. Dabei lernen die Patienten auch, wie sie ihre Gymnastik zu Hause durchführen sollen.
Wärmebehandlung
Vielen Patienten mit Arthrose tut Wärme gut. Bei einer aktivierten Arthrose, bei der zusätzlich eine Entzündung des Gelenkes dazu kommt, kann es aber auch genau umgekehrt sein: Statt Wärme wird Kälte als angenehm empfunden.
Kältebehandlung
Patienten mit einer akuten Reizung oder Entzündung des Kniegelenks können von Kälteanwendungen profitieren. Dazu gehören unter anderem kalte Moorpackungen und Kaltluft. Auch bei Umschlägen mit essigsaurer Tonerde oder Quark werden Kältereize genutzt.
Elektrotherapie
Elektrische Ströme verhindern oder verlangsamen die Weiterleitung von Schmerzsignalen, regen die Regeneration des Gewebes an und verbessern die Durchblutung. Eines der bekanntesten Verfahren aus diesem Bereich ist die TENS-Therapie, die Transkutane Elektrische Nerven-Stimulation. Dabei kommen kleine tragbare Geräte zum Einsatz, die über Batterien gespeist niederfrequente Ströme erzeugen. Diese werden durch Elektrodenplättchen übertragen, die mit einer Kontaktpaste versehen am Kniegelenk auf die Haut geklebt werden.
Akupunktur
Akupunktur kann bei Patienten mit Kniearthrose die Schmerzen lindern. Dies ergab 2005 eine Studie an der Charité in Berlin.
Spezial-Schuhe und Einlagen
Speziell gefertigtes Schuhwerk oder Einlagen können das Gehen beschwerdefreier machen und die Gelenke vor weiteren (Fehl-)belastungen schützen. Beraten Sie sich gegebenenfalls mit Ihrem Arzt, ob solche Maßnahmen auch bei Ihnen sinnvoll erscheinen!

Schonen schadet

Verursacht das Bewegen des Kniegelenks Schmerzen, nimmt man unwillkürlich eine Schonhaltung ein. Verständlich, schließlich will man die Beschwerden so weit es geht reduzieren. Doch das ist der Beginn einer schädlichen Spirale: Im Versuch, das Gelenk zu schonen, fügt man diesem noch mehr Schaden zu. Denn durch das Meiden bestimmter Bewegungsabläufe kommt es zu Verspannungen der Muskeln am Kniegelenk. Nach einer Weile beginnt der überbeanspruchte Muskel, sich zu verkürzen.

Sport treiben

Als Betroffener kann man viel selbst tun: Viel bewegen, aber wenig belasten sollte das Motto sein. Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) empfiehlt bei Kniegelenksarthrose: Gymnastik, Radfahren, Walking, Kraulschwimmen, Aqua-Jogging. Chronisch Kranke, Senioren und Personen, die schon länger keinen Sport mehr getrieben haben, sollten sich unbedingt bei einem Arzt beraten lassen, bevor sie aktiv werden.