ERKÄLTUNG

Infektion der oberen Atemwege

Bei einer Erkältung handelt es sich um eine Infektion der oberen Atemwege. Sie kann Halsschmerzen (Pharyngitis), Schnupfen (Rhinitis), Husten (Bronchitis) und Heiserkeit (im Rahmen einer Kehlkopfentzündung, der so genannten Laryngitis) sowie fast jede beliebige Kombination dieser Symptome zur Folge haben.

Erkältungen treten vor allem im Herbst und Winter auf. Zwei bis vier Infekte pro Jahr sind für Erwachsene normal. Kinder können in zwölf Monaten durchaus acht bis zehn Mal von Husten und Schnupfen geplagt werden. Der Verlauf einer Erkältung ist sehr individuell. Als grobe Richtlinie gilt: Treten keine Komplikationen auf, sollten sich die Beschwerden nach drei bis sieben Tagen eigentlich bessern und nach zwei Wochen praktisch verschwunden sein. Abweichungen davon sind jedoch immer möglich.

Jeder kennt es: Oft beginnt alles mit einem leichten Kratzen oder Schmerzen im Hals. Im weiteren Verlauf können zusätzlich Husten, Schnupfen und Heiserkeit in beinahe jeder erdenklichen Kombination auftreten. Häufig klagen die Erkälteten auch über Kopfweh und sie fühlen sich müde und abgeschlagen.

Fieber (Körpertemperatur über 38°C) tritt sowohl bei akuten bakteriellen wie bei viralen Infekten auf und ist ein natürlicher Bestandteil der Abwehrreaktion. Außer bei – seltener – Neigung zu Fieberkrämpfen ist die Temperaturerhöhung selbst harmlos und endet mit der erfolgreichen Abwehr des Infekts.

Therapie
Akuter Schnupfen: Bei Schnupfen helfen Inhalationen mit warmem Dampf (getestet wurden 42-47 Grad), das Nasensekret zu lösen und die Schleimhäute abschwellen zu lassen. Ob man dabei Salze oder ätherische Öle verwendet, ist Geschmackssache.

Bei einer wunden Nase wirkt eine Salbe zum Beispiel mit Dexpanthenol lindernd.

Abschwellende Nasentropfen
(zum Beispiel mit Xylometazolin oder Oxymetazolin) können kurzfristig sinnvoll sein, wenn die Nasenatmung behindert ist. Vertäglicher für die Nasenschleimhaut sind Präparate ohne das Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid. Wenden Sie diese Produkte möglichst nur ein- bis zweimal täglich an. Für Kinder und Säuglinge sollten Sie ausschließlich speziell für die Kleinen geeignete und altersentsprechend dosierte Nasentropfen verwenden. Weder Sie noch Ihr Nachwuchs sollten diese Medikamente länger als sieben Tage einsetzen, da sie die Nasenschleimhaut schädigen können. Eine sanftere Alternative, sind Nasentropfen mit Salzlösungen, die Sie allerdings nur verwenden sollten, wenn Ihnen dieses angenehm ist, denn eine Heilungsbeschleunigung oder objektive Besserung der Beschwerden konnte bei akutem Schnupfen dafür bisher nicht bewiesen werden.

Halsschmerzen:
Lutschpastillen
zum Beispiel mit Salbei, Isländisch Moos oder Cetylpyridiniumchlorid helfen bei einem kratzenden Hals. In der Apotheke gibt es auch schmerzlindernde Präparate mit lokal betäubenden Mitteln wie Lidocain oder Benzocain. Auch desinfizierende Gurgellösungen mit zum Beispiel Chlorhexidin oder Cetylpyridiniumchlorid können helfen. Sie sollten diese Gurgellösungen möglichst nur vorübergehend verwenden (etwa drei Tage lang), da sie auch die schützende normale Rachenflora schädigen. Schonen Sie Ihre Stimme, indem Sie so wenig wie möglich und nur leise sprechen.
Heiserkeit:
Diese ist meist die Folge einer entzündungsbedingten vorübergehenden Anschwellung der Stimmbänder. Wenn Sie eine Abschwellung erreichen wollen, um kurzfristig wieder „bei Stimme“ zu sein, hilft das Lutschen von Eis oder ein kalter Waschlappen auf dem Kehlkopf – allerdings nur für kurze Zeit. Zur besseren Abheilung sollten Sie dagegen darauf achten, die Stimme für einige Tage zu schonen und Ihren Halsbereich zum Beispiel durch das Tragen eines Schals warm zu halten.
Husten:
Meist wird empfohlen viel zu trinken (etwa zwei Liter pro Tag). Für sonst gesunde Erwachsene ist das möglicherweise sinnvoll oder auf jeden Fall ungefährlich. Bei älteren Menschen tritt allerdings zum Beispiel bei Lungenentzündung unter starker Flüssigkeitszufuhr gehäuft eine Luftnot durch Herzschwäche auf. Deswegen sollte man sich wahrscheinlich eher am Durstgefühl oder den Empfehlungen des Arztes orientieren.

Inhalationen zum Beispiel mit Salbei, Thymian oder ätherischen Ölen aus Eukalyptus oder Pfefferminze können angenehm sein. Sie halten die Atemwege feucht und lindern so den Hustenreiz. Wichtig dabei ist: Säuglinge und sehr kleine Kinder sollten wegen der Verbrühungsgefahr noch nicht inhalieren. Außerdem sollten kleine Kinder nicht mit mentholhaltigen Stoffen (z.B. Minze) oder anderen stark riechenden ätherischen Ölen inhalieren, da diese bei Ihnen einen Atemstillstand auslösen können.
Wenn Sie es als angenehm empfinden, können Sie die Luft in Ihrem Wohnraum oder Büro auch vorübergehend befeuchten, indem Sie mit Wasser besprengte Handtücher über die Heizkörper hängen oder kleine Wasserschälchen darauf stellen. Bei langfristiger Anwendung führt das allerdings oft zu vermehrtem Wachstum von Schimmelpilzen und verstärkt dann zumindest bei Allergikern die Atemwegsbeschwerden.

Sitzt der Husten fest, können Sie versuchen, den Schleim mit pflanzlichen Wirkstoffen (zum Beispiel Eukalyptus-, Thymian- oder Efeu-Extrakte) oder mit chemischen Schleimlösern wie Kaliumjodid, Ambroxol oder N-Acetylcystein zu lockern. Nehmen Sie diese Medikamente morgens und tagsüber ein und achten Sie unbedingt darauf, dass Sie im Lauf des Tages ausreichend trinken. Denn die Wirkung dieser Mittel beruht darauf, dass Sie Wasser in den Schleim ziehen und ihn damit verflüssigen, so dass er sich leichter abhusten lässt. Fast alle sogenannten Schleimlöser weisen leider eine unangenehme Nebenwirkung auf: Sie reizen die Magenschleimhaut. Bei entsprechender Empfindlichkeit sind daher Inhalationen mit warmen Dämpfen vorzuziehen.

Hustenstiller sollten Sie nur vorsichtig einsetzen, da Sie das Abhusten des erregerhaltigen Schleims behindern. Falls Sie nachts keine Ruhe finden oder unter einem trockenen Reizhusten leiden, können diese Medikamente aber durchaus sinnvoll sein.

Pflanzliche Präparate lindern den Hustenreiz ebenfalls. Sie enthalten zum Beispiel Eibisch, Spitzwegerich oder Efeu.
Fieber:
Bei Fieber (Körpertemperatur von mehr als 38°C) fühlen sich die meisten Menschen im Bett wohler. Wichtig ist: Fieber selbst ist keine Krankheit, sondern gehört zu den sinnvollen Abwehrprozessen des Körpers. Es sollte daher – außer bei einer Neigung zu Fieberkrämpfen – nicht immer gleich gesenkt werden. Bei Temperaturen über 39°C werden fiebersenkende Maßnahmen allerdings oft als angenehm erlebt. In Frage kommen dafür zum Beispiel Medikamente mit den Wirkstoffen Paracetamol oder Ibuprofen, die dann auch gleichzeitig gut gegen Kopf- und Gelenkschmerzen helfen. Erwachsene bevorzugen meist Tabletten, Kindern sind Saft oder Zäpfchen oft leichter zu verabreichen. Achten Sie bei den kleinen Patienten jedoch besonders auf die richtige und altersgemäße Dosierung.
Eine weitere Möglichkeit zur Fiebersenkung ist eine Abkühlung durch Wadenwickel. Diese sollten Sie jedoch nur anwenden, wenn die Beine und Hände des Patienten warm sind und keine Kreislaufprobleme bestehen. (Sprechen Sie im Zweifel mit einem Arzt darüber.) Für den Wadenwickel feuchten Sie ein dünnes Lein- oder Baumwolltuch mit handwarmem Wasser an und winden es aus. Legen Sie dieses um die Wade des Patienten. Anschließend legen Sie gegebenenfalls ein trockenes Handtuch, Molton, etc. darunter. Belassen Sie diesen Wickel bei kleinen Kindern und Senioren höchstens zehn Minuten. Bei größeren Kindern und Erwachsenen dürfen die Wickel 15 bis 20 Minuten an ihrem Platz bleiben.
Wichtig: Der Patient sollte nie anfangen zu frieren. Wenn dies dennoch einmal der Fall ist, nehmen Sie die Wickel unverzüglich ab und sorgen Sie dafür, dass dem Kranken rasch wieder warm wird (gut zudecken, Wärmflasche...).

Lindenblüten- und Holundertees sollen schweißtreibend wirken und werden deshalb gerne als Hausmittel verwendet. In Studien getestet sind sie nicht.

Ein Arzt sollte bei Fieber konsultiert werden, wenn
- Erwachsene sehr hoch fiebern,
- zugleich Atemnot oder starke Schmerzen bestehen,
- ein chronisch Kranker fiebert,
- zu wenig Flüssigkeit aufgenommen wird,
- Krämpfe oder ein Bewußtseinsverlust auftreten,
- ein Auslandsaufenthalt der Krankheit vorausging,
- das Gefühl besteht, dass mehr als eine Erkältung hinter der Erkrankung stecken könnte.

Vorbeugende Massnahmen

Wie sonst auch, ist eine Kost mit viel Obst und Gemüse sinnvoll. Besonders Vitamin C, das zum Beispiel in Zitrusfrüchten und Kiwis enthalten ist, soll das Immunsystem stärken. Auch Zink spielt bei vielen Abwehrprozessen eine Rolle und hilft bei einigen viralen Infekten. Ob eine zusätzliche Vitamineinnahme in Form von entsprechenden Präparaten Sinn macht, ist wissenschaftlich umstritten.

Angeboten werden neben Vitamin- und Mineralstoffmischungen auch zahlreiche pflanzliche Mittel, welche die Abwehr stärken sollen. Sie enthalten zum Beispiel Auszüge aus Sonnenhut, Kapland-Pelargonie, Lebensbaum oder Wasserdost. Diese Mittel sollten Sie jedoch wirklich nur einnehmen, wenn Sie gezielt vorbeugen wollen – zum Beispiel nachdem Sie sich an der Bushaltestelle im Regen völlig durchgefroren haben. Eine Einnahme über mehr als eine Woche hinweg hatte in den meisten Studien keine sinnvollen Effekte beziehungsweise führte gehäuft zu allergischen Reaktionen. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten, welches Präparat für Sie sinnvoll ist und wann und wie lange Sie es einsetzen sollen.