FUSSPILZ
Tinea pedis
Bei Fußpilz (Tinea pedis) handelt es sich meist um eine Infektion mit Fadenpilzen (Dermatophyten), die zu Juckreiz, Schuppung der Haut und Rötungen im Bereich der Zehenzwischenräume, Sohlen und des Fußrückens führt. Die Erreger können neben der Haut auch die Nägel befallen (Nagelpilz)
Symptome
Die Fußpilzerreger sind zu klein, um sie mit bloßem Auge zu erkennen. Verlässliche Indizien liefern jedoch die Beschwerden, die sie verursachen. Allen voran der hartnäckige Juckreiz zwischen den Zehen – das typischste Symptom. Später rötet und schuppt sich die Haut in den Zehenzwischenräumen. Im weiteren Verlauf tritt der Rand der infizierten Hautflächen etwas dunkler hervor und es bilden sich dort kleine Pusteln oder Bläschen.
Je weiter fortgeschritten die Pilzerkrankung ist, desto größer werden die Hautpartikel und -schuppen, die sich vom befallenen Bereich lösen. Darunter erscheint rotes, gereiztes Gewebe und die Haut sieht wie aufgeweicht aus. Es kommt zu kleinen Rissen, was das Eindringen weiterer Keime und insbesondere auch bakterieller Erreger begünstigt. Die schmerzhaften Risse treten nicht nur zwischen den Zehen, sondern in schweren Fällen am ganzen Fuß auf.
Komplikationen
Bei Fußpilz handelt es sich keineswegs um eine Bagatelle. Nicht richtig behandelt, kann er sich auf die Nägel ausbreiten (Nagelpilz) und ernste Komplikationen nach sich ziehen. Denn die Pilzbesiedlung schädigt die natürliche Abwehr der Haut, wodurch Bakterien und Viren leichter in tiefere Hautschichten eindringen und dort Schaden anrichten können.
Was zudem oft vergessen wird: Fußpilz heißt so, weil er besonders gern den Fuß befällt. Doch er kann sich grundsätzlich an jedem Bereich des Körpers ansiedeln. Wer einen Pilz an den Füßen hat, muss gut aufpassen, damit er nicht selbst dazu beiträgt, diesen auch an andere Körperstellen zu verteilen. Häufig genügt es hierzu bereits, die juckenden Füße mit den bloßen Händen zu kratzen. Dabei können ansteckungsfähige Pilzteile unter den Fingernagel und von dort zum Beispiel ins Gesicht gelangen. Ein weiterer beliebter Transportweg sind pilzverseuchte Badteppiche und Handtücher. Wer sich damit auch an anderen Körperstellen abtrocknet, verschleppt den Pilz zum Beispiel in den Ohrbereich oder an den Rumpf.
Ursachen
Für die Mehrheit (rund 75 Prozent) aller Fußpilzerkrankungen zeichnet ein Fadenpilz namens Trichophyton rubrum verantwortlich. Er befällt zwar vor allem die Füße und Fußnägel, kann jedoch auch andere Hautareale besiedeln. Neben Fadenpilzen können, wenn auch seltener, Hefe- oder Sprosspilze sowie Schimmelpilze zu einer Pilzinfektion der Füße führen.
Pilze verfügen über diverse Methoden, um sich in der Haut einzunisten. So können einige Fadenpilzarten den Säureschutzmantel der Haut ganz gezielt schädigen. Andere hingegen besitzen spezielle Haftorgane, die ihnen eine Anbindung an die Hautzellen ermöglichen. Manche Hefepilze haben sich auf ganz besondere Manöver verlegt: Sie tarnen sich als körpereigene Zellen und umgehen so die Schranken des menschlichen Abwehrsystems.
Alle diese Angriffe können einer gesunden Haut jedoch in der Regel nichts anhaben. Denn ihr Säureschutzmantel und eine schützende Schicht aus Bakterien (Hautflora) sorgen dafür, dass Pilzsporen unverzüglich vernichtet werden.
Ist die Haut jedoch geschädigt oder das Immunsystem geschwächt, können die Pilze Fuß fassen – im wahrsten Sinn des Wortes. Die Pilzsporen greifen den Säureschutzmantel der Haut an und dringen mit ihren Zellfäden, den so genannten Hyphen, in die Oberhaut ein.
Das Tückische am Hautpilz ist, dass er nicht an der Oberfläche bleibt. Er wächst von außen in die Haut hinein und nistet sich dann in den tieferen Hautschichten ein. Dort vermehrt er sich. Durch die ständige Erneuerung der Haut und das Wandern der Hautzellen von innen nach außen gelangt der Pilz in die oberen Hautschichten.
Der Pilzbefall beschleunigt diese Erneuerung noch und daher werden sehr viele abgestorbene Hautschuppen von der Oberhaut des befallenen Fußes abgestoßen. Diese Schuppen übertragen die Infektion: In ihnen können die Pilzsporen tage- bis wochenlang überleben und andere Personen anstecken.
Risikofaktoren
Je mehr Menschen an einem Ort barfuss laufen, desto größer ist die Ansteckungsgefahr – ganz besonders besteht sie also in öffentlichen Schwimmbädern und Saunen, auf Teppichböden von Hotelzimmern und in Umkleidekabinen.
Nun macht der Kontakt mit einer infizierten Hautschuppe allein noch keinen Fußpilz. Der Pilz muss das Abwehrsystem des Körpers erst überwinden und es schaffen, Hyphen zu bilden, die in die Oberhaut eindringen und dort das Mycel entstehen lassen. Verschiedene Faktoren können dies begünstigen:
• Passendes Klima: Pilze lieben es feucht. Socken und Strümpfe aus synthetischen Fasern behindern die Hautatmung und saugen den Schweiß nicht auf. Er bleibt auf der Haut und schafft ein feuchtes „Treibhausklima“ – beste Bedingungen für Pilze.
• Eintrittspforten: Um eine Infektion hervorrufen zu können, muss der Pilz die Schutzschicht der Haut überwinden. Enges Schuhwerk sorgt beispielsweise dafür, dass empfindliche Hautstellen wund gerieben werden und damit eine ideale Eintrittspforte für Pilzinfektionen bieten. Auch Hautverletzungen oder ein durch zu häufiges Reinigen mit Seifen und Duschgels, Badezusätzen und Sprays geschädigter Säure- und Fettmantel der Haut können Infektionen begünstigen.
• Geschwächte Abwehr: Unser Immunsystem ist dafür zuständig, uns gegen Krankheitserreger zu schützen. Ist die körpereigene Abwehr angeschlagen oder beeinträchtigt, können Infektionen sich eher ausbreiten.
Therapie
Zur Behandlung von Pilzinfektionen setzen Ärzte sogenannte Antimykotika ein, deren Wirkstoffe das Wachstum der Pilze beeinträchtigen oder sie abtöten. Ist die Pilzerkrankung noch nicht sehr weit fortgeschritten, können die Antimykotika äußerlich angewendet werden. Dazu kann man zwischen Cremes, Gels, Lösungen, Sprays und Puder wählen – abhängig vom Zustand der Füße und individuellen Gegebenheiten.
Wer stark unter Fußschweiß leidet, für den ist ein Puder oder Gel am besten geeignet. Bei trockener Haut sollte man hingegen zu Cremes und Lotionen greifen, da diese zusätzlich pflegende Effekte aufweisen. Lösungen sind insofern praktisch, weil sie sich leichter dünn auftragen und gut einreiben lassen. Wer Fußkontakt vermeiden möchte, für den sind Sprays die geeignete Variante.
Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind Terbinafin, Itraconazol, Clotrimazol, Miconazol und Bifonazol.
Terbinafin wird sowohl äußerlich als Creme, Gel oder Spray als auch innerlich in Form von Tabletten eingesetzt. Es hemmt bei den Pilzen ein wichtiges Enzym und behindert so den Aufbau ihrer Zellwände. Itraconazol kann nur innerlich angewandt werden.
Clotrimazol hemmt den Aufbau von Ergosterol, ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil der Zellwand von Pilzen. Diese Schädigung führt letztendlich zum Tod der Pilzzelle. Clotrimazol kann als Creme, Lösung oder Spray eingesetzt werden. Darüber hinaus ist es als Puder erhältlich und wird in dieser Form häufig zur Nachbehandlung von Pilzinfektionen verwendet.
Miconazol kann in Form von Cremes, Lösungen oder Pudern gegeben werden. Der Wirkungsmechanismus ist vergleichbar dem von Clotrimazol: Es kommt ebenfalls zu einer Störung der Zellmembranbildung der Pilze, wodurch sie in ihrem Wachstum gehemmt werden.
Bifonazol wirkt ebenso, hat allerdings den Vorteil, länger in der Haut zu verbleiben. Es ist zudem entzündungshemmend, sodass sich brennende oder juckende Stellen rasch beruhigen.
Ist die Pilzart nicht bekannt, kann ein so genanntes Breitspektrum-Antimykotikum eingesetzt werden. Denn dieses bekämpft mehrere Pilzarten gleichzeitig.
Vorbeugen
Die wichtigste Strategie gegen eine Pilzinfektion ist gezielte Vorbeugung:
Wo viele Menschen barfuss gehen, ist höchste Vorsicht geboten: In öffentlichen Bädern und Saunen sind Badeschlappen hilfreich. Das gleiche gilt für Hotelzimmer.
Füße und Zehenzwischenräume immer trocken halten. Zum Abtrocknen ein separates Handtuch benützen, vor allem nach dem Schwimmbad- oder Saunabesuch. Denn in die feuchte, aufgeweichte Haut kann ein Pilz besonders gut eindringen. Am besten ist es, die Zehenzwischenräume zusätzlich mit einem Fön auf niedriger Stufe trocken zu fönen.
Handtücher regelmäßig wechseln. Handtücher, Badematten, Socken und Bettwäsche bei Temperaturen über 60 ° Grad waschen; noch besser ist kochen.
Gut passende und bequeme Schuhe tragen. Zwischen höheren und flachen Absätzen abzuwechseln ist sinnvoll, um Zehenverformungen, Venenleiden und Muskelbeschwerden in den Waden vorzubeugen. Ebenso wichtig wie die richtige Passform ist ein atmungsaktives Material – so wird die Fußfeuchte schnell wieder abgeleitet. Daher Schuhe mit einem atmungsaktiven Obermaterial wie Leder oder moderne Mikrofasern tragen. Turnschuhe nur für die Zeit des Sports anziehen. Möglichst jeden Tag andere Schuhe wählen, damit die einzelnen Paare trocknen können. Socken aus natürlichen Materialien benutzen und täglich wechseln.
Gefahrenzone Desinfektionsanlage
Desinfektionsanlagen sind kein wirksamer Schutz vor Fußpilz. Denn der Chemiecocktail aus der Düse kann binnen der wenigen Sekunden, in denen er die Füße benetzt, so gut wie nichts ausrichten. Dazu benötigen die Pilzschutzmittel mindestens fünf Minuten Wirkzeit. Die meisten Sprays enthalten außerdem Aldehyde – Substanzen, von denen bekannt ist, dass sie Allergien auslösen können. Zudem verändern sie die natürliche Hautflora und deren Schutzmantel – dadurch haben die Pilze besonders leichtes Spiel.
