HAARAUSFALL

ALOPEZIE

Androgenetische Alopezie (anlagebedingter Haarausfall)
Wenn der Haarverlust bei Männern nach folgendem Muster abläuft, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine androgenetische Alopezie: Zunächst lichten sich die Haare an den Schläfen und an der Stirn. So genannte Geheimratsecken und im Verlauf eine Stirnglatze bilden sich. Weiterhin kommt es zu dünner-werdendem Haar am oberen Hinterkopf, eine Tonsur entsteht. Die kahlen Stellen vergrößern sich und fließen zusammen, bis nur noch ein Haarkranz im unteren Bereich des Hinterkopfes und der Schläfen übrig ist. Dieses Muster bedeutet nicht, dass jeder Mann mit Geheimratsecken unwiderruflich eine Glatze entwickeln wird. Wie weit der Haarverlust bei dem Betroffenen mit Geheimratsecken geht, lässt sich schwer voraussagen. Einige Männer können eine Glatze auch schon im Alter zwischen 20 und 30 entwickeln, während mancher 70-Jährige bis auf Geheimratsecken keinen Haarverlust erdulden musste. (Mehr dazu auch in den Kapiteln "Ursachen" und "Therapie")
Auch Frauen können eine androgenetische Alopezie bekommen. Bis zu 50 Prozent aller Frauen über 50 Jahre, aber auch schon jüngere Frauen sind wenigstens minimal davon betroffen. Die Mehrzahl der Frauen beklagt eine verstärkte Haarausdünnung im Scheitelbereich, teilweise mit verstärktem Haarausfall einhergehend. Dieser kann allerdings auch fehlen. Einige wenige Frauen entwickeln ein ähnliches Haarausfallmuster wie die Männer, allerdings nicht so ausgeprägt.

Diffuser Haarausfall
Bei diffusem Haarausfall werden die Haare auf dem ganzen Kopf gleichmäßig "dünner", stehen also nicht mehr so dicht, die Kopfhaut schimmert stärker durch als dies früher der Fall war. Einzelne kahle Stellen sind aber nicht erkennbar.

Alopecia areata
Bei der Alopecia areata, dem kreisrunden Haarausfall bilden sich meist einzelne, runde, haarlose Flecken im Kopfhaar, seltener im Bart, im Gesicht oder in der Körperbehaarung. Auf den kahlen Stellen lassen sich die winzigen Haarausführungsgänge erkennen. Dass sie noch sichtbar sind, ist ein Zeichen dafür, dass die Haare prinzipiell wieder nachwachsen können. Am Rand der haarlosen Flecken stehen meist kurze, abgebrochene Haare, sogenannte "Ausrufezeichen-Haare". Die Haare an den Rändern der Kahlstellen sind oft leicht auszupfbar. Alopecia areata betrifft vor allem Kinder und junge Erwachsene. In vielen Fällen wachsen die Haare von selbst wieder nach. Ein Widerauftreten der Erkrankung ist allerdings möglich. Manchmal fallen ausschließlich die pigmentierten Haare aus, die grauen bleiben übrig. Das erweckt den Eindruck, als sei der Betroffene innerhalb kürzester Zeit ergraut. Die haarlosen Stellen können auch zusammenfließen und den ganzen Kopf (Alopecia areata totalis) oder sogar den ganzen Körper (Alopecia areata universalis) betreffen. Das ist eher ungünstig, da der Haarverlust oft anhält.

Ursachen:

Androgenetische Alopezie (Anlagebedingter Haarausfall)
Die Ursache dieser häufigsten Form des Haarausfalls ist bei Männern und Frauen gleich und stellt keine hormonelle Störung dar, obschon ein Hormon, das männliche Geschlechtshormon Dihydrotestosteron (DHT) eine entscheidende Rolle spielt. DHT wird im Körper von Männern und Frauen durch Hilfe eines Enzyms (5-alpha-Reduktase) aus dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron gebildet. Es ist jedoch ein Irrglaube, dass alle Männer mit Glatze übermäßig viele männliche Hormone im Blut hätten oder Frauen bis auf einige Ausnahmen zu viel Testosteron produzierten. Das Geschehen spielt sich vielmehr örtlich an der Haarwurzel ab. Bei Menschen mit androgenetischer Alopezie reagieren die Haarwurzeln überaus überempfindlich auf DHT. Des Weiteren enthalten diese Haarwurzeln eine größere Menge des Enzyms 5-alpha-Reduktase, dadurch wird mehr DHT produziert. Die Veranlagung dazu steckt bereits in den Erbanlagen, den Genen. Allerdings wird sie nicht automatisch "weitervererbt". Es sind hierbei verschiedene Gene im Spiel. Aus der Haarpracht der nächsten Verwandten lässt sich also kein absolut sicherer Rückschluss ziehen, ob und wann sich der eigene Kopf lichten wird.
Die Überempfindlichkeit auf DHT führt dazu, dass sich die Wachstumsphase der Haare verkürzt. Die Haare "leben" also nicht mehr so lange, sie fallen rascher aus und werden von mal zu mal dünner, bis nur noch ein winzig kleines Flaumhaar die Haarwurzel besetzt. In einigen Fällen geht auch dieses mitsamt der Haarwurzel zugrunde.

In wenigen Fällen können Frauen mit Lichtung der Haare im Scheitelbereich auch eine hormonelle Störung haben (androgene Alopezie). Diese geht dann meist mit sogenannten "Vermännlichungszeichen" einher: Verstärkte Behaarung an Oberlippe, Kinn, Brustwarzen, Bauchnabel und Bikinibereich. Hier sollte eine hormonelle Abklärung erfolgen.


Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)
Die genauen Ursachen dieser Krankheit sind unbekannt. Mediziner gehen davon aus, dass es sich um eine Fehlreaktion des körpereigenen Immunsystems, eine Autoimmunkrankheit, handelt. Statt gefährliche Viren und Bakterien zu bekämpfen, richten sich die Abwehrzellen plötzlich gegen die körpereigenen Haare und lösen dort eine Entzündung aus. In der Folge wachsen die Haare nicht mehr richtig und fallen aus. In manchen Familien kommt die Alopecia areata gehäuft vor, was eine erbliche Veranlagung wahrscheinlich macht.

Diffuser Haarausfall
Man muss hier zwischen zwei "Arten" von diffusem Haarausfall unterscheiden. Bei der einen Form tritt der Haarverlust meist erst zwei bis drei Monate nach dem schädigenden Ereignis oder nach Beginn der Erkrankung ein – durch den verstärkten Eintritt der Haare in die Ausfallphase (Telogenphase). Das betrifft die meisten genannten Ursachen. Fallen die Haare direkt in der Wachstumsphase (Anagenphase) aus, so kann der Haarverlust auch schon nach einigen Tagen eintreten wie es bei Chemotherapie der Fall ist.

Eine Störung der Schilddrüse, als wichtiges Stoffwechselorgan, kann bei einigen Betroffenen einen diffusen Haarausfall zur Folge haben. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann es darüber hinaus neben Antriebsarmut, einer gesteigerten Kälteempfindlichkeit und kühler, trockener Haut noch zu stumpfem, brüchigem Haar kommen. Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann sich ebenfalls mit diffusem Haarverlust zeigen sowie mit gesteigerter Gereiztheit, Wärmeintoleranz, warm-feuchter Haut und weichem, dünnen Haar.

Ein Eisenmangel, hier vor allem ein Mangel des Speichereisens (Ferritin) wird bei Patienten mit diffusem Haarausfall häufig nachgewiesen. Ob dieser wirklich die Ursache des vermehrten Haarverlustes ist, ist immer noch nicht endgültig geklärt. Zu einem Eisenmangel kann es durch eine unzureichende Eisenversorgung über die Nahrung oder Eisenaufnahme durch den Darm oder einen gesteigerten Blutverlust kommen. Ursachen sind dann beispielsweise starke Monatsblutungen oder Magen-Darmgeschwüre.
Bei einer ausgewogenen Ernährung kommt es in unseren Breiten in den seltensten Fällen zu einem Nährstoffmangel und dadurch zu einem diffusen Haarausfall. Allerdings kann es durch (auch kurzzeitige) Crash-Diäten, Essstörungen (Anorexie, Bulimie), aber auch unzureichende Aufnahme von Nährstoffen durch den Darm bei chronischen Darmerkrankungen oder nach Operationen zu einem Nährstoffmangel kommen. Im Zuge von schweren chronischen Erkrankungen, Infektionskrankheiten wie Grippe oder Scharlach, aber auch nach Operationen mit Vollnarkose kann sich das Haar ebenfalls diffus lichten.
Diffuser Haarausfall kann als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten, beispielsweise bei Cholesterinsenkern, Mitteln zur Blutverdünnung, Retinoiden gegen Akne oder Betablockern gegen Bluthochdruck. Sehr seltene Ursachen können Vergiftungen, beispielsweise durch Thallium sein. Diese gehen in den seltensten Fällen ausschließlich mit Haarausfall einher sondern mit weiteren körperlichen Symptomen.

Während einer Schwangerschaft verändert sich das weibliche Hormongleichgewicht. Eine Folge ist, dass sich viele werdende Mütter über besonders dichtes und gesund aussehendes Haar freuen können, da die Wachstumsphase der Haare verlängert ist. Die hormonelle Umstellung nach der Geburt führt dann allerdings oft dazu, dass die Haare über den gesamten Kopf verteilt stärker ausfallen als gewohnt. Diese Schwankungen sind für die Betroffene oftmals erschreckend, pendeln sich üblicherweise nach kurzer Zeit wieder auf das gewohnte Normalmaß ein. Frauen, die mit der "Anti-Baby-Pille" beginnen, auf ein anderes Präparat wechseln, oder die Einnahme beenden, beobachten manchmal ebenfalls Effekte auf ihre Haarpracht.

Eine Chemotherapie, wie sie bei vielen Krebserkrankungen zum Einsatz kommt, kann (muss aber nicht) mit einem diffusen Haarausfall verbunden sein. Es können nicht nur die Kopfhaare, sondern auch Wimpern, Augenbrauen und Körperhaare betroffen sein. Die Haare fallen meistens einige Tage bis Wochen nach Therapiebeginn aus und / oder brechen verstärkt über der Kopfhaut ab. In der Regel wachsen sie nach Therapieende wieder nach.
Muss sich ein Patient einer Strahlentherapie, wie sie bei Krebserkrankungen zum Einsatz kommt, unterziehen und liegt dabei die Kopfhaut im Bestrahlungsfeld, so kann es hierbei ebenfalls zu einem verstärkten diffusen Haarausfall kommen. In den meisten Fällen beginnen die Haare einige Zeit nach dieser Behandlung wieder zu wachsen. Bei sehr hohen Strahlendosen werden Haarwurzeln eventuell auch dauerhaft geschädigt, so dass das Haar spärlicher nachwächst.

Manche Frisuren oder Kopfbedeckungen können die Haare strapazieren. Wer stets einen Pferdeschwanz trägt, stellt manchmal fest, dass die Haare an den Schläfen und im Scheitelbereich schütter werden. Schuld ist dann möglicherweise der ständige Zug. Auch anhaltender Druck ist dem Haarwuchs nicht förderlich. So können nach längerer Bettlägerigkeit Haare am Hinterkopf verloren gehen.

Ursache für einen diffusen oder einen umschriebenen Haarausfall können auch verschiedene (Haut-)Krankheiten sein: Pilzinfektionen, eine Infektion mit Bakterien oder Viren wie bei Herpes Zoster, Tumore an der Haut, Schuppenflechte oder Ekzeme der Kopfhaut.

Es gibt des Weiteren einige entzündliche Erkrankungen oder Schädigungen der Kopfhaut, welche nicht selten zur Zerstörung der Haarwurzeln und zu Vernarbungen führen: zum Beispiel tiefe Pilzinfenktion der Kopfhaut, Säure- oder Laugeverätzung, Verbrennungen, chronisch diskoider Lupus erythematodes, Folliculitis decalvans. Hierbei können dauerhaft haarlose Stellen zurückbleiben.
Stress und psychische Ursachen

Viele Untersuchungen deuten darauf hin, dass auch Stress zu Haarausfall führen kann. In Studien an Mäusen konnte dies schon bewiesen werden.

Manche Menschen muten ihrem Haar zu viel an Haarpflege zu. Dabei kann es zu Schäden am Haar selbst kommen, zum Beispiel durch intensives heißes Fönen, Lockenstäbe, häufiges Bleichen oder Dauerwellen. Das kann dazu führen, dass das Haar spröde aussieht oder verstärkt abbricht. Haarausfall an sich wird durch diese Belastungen des Haares in der Regel nicht erzeugt.

Therapie:

Androgenetische Alopezie
Bei androgenetisch bedingtem Haarausfall hat sich in klinischen Studien Minoxidil wirksam erwiesen. Der Wirkstoff wurde ursprünglich als Medikament gegen Bluthochdruck entwickelt. Dabei stellte sich heraus, dass bei Einnahme der Arznei die Haare am gesamten Körper stärker wuchsen. Damit man diesen Effekt nur für die Kopfhaare nutzen kann, wurde Minoxidil in eine flüssige Lösung zum Auftragen auf die Kopfhaut eingebracht. Für Männer und Frauen gibt es unterschiedliche Dosierungen. Der genaue Wirkmechanismus ist unbekannt. Man weiß aber, dass die Substanz die Ausdünnung der Haare und damit auch den Haarausfall bremsen kann, indem neue Haare kräftiger nachwachsen. Hier ist der Effekt besonders an Haarstellen gut, an denen noch Haare im näheren Umkreis wachsen. Bis sich eine Wirkung einstellt, ist Geduld gefragt. Meist hat man es zunächst mit einer unschönen Begleiterscheinung zu tun: Nach etwa vier bis acht Wochen der Anwendung kommt es erst einmal zu einem verstärkten Haarausfall. Dies sollte aber als ein gutes Zeichen gesehen werden, da es eine hohe Aktivität nachwachsender Haare anzeigt. Die "alten" Haare, welche noch die Haarwurzel besetzen, müssen hierfür weichen und ausfallen. Erste Ergebnisse sind frühestens nach sechs Monaten erkennbar. Wenn die Anwendung unterbrochen wird, besteht die Gefahr, dass die neu gewonnen Haare wieder verloren gehen und man auf den Zustand zurückfällt, mit dem man begonnen hat. Nicht für jeden Betroffenen lohnen sich Aufwand und Kosten im Verhältnis zum Nutzen. Obwohl Minoxidil rezeptfrei erhältlich ist, empfiehlt sich eine ausführliche Beratung zu Vor- und Nachteilen vor dem Beginn einer Therapie.

Das Medikament Finasterid, das in höherer Dosierung auch gegen gutartige Prostatavergrößerung eingesetzt wird, ist für Männer mit androgenetisch bedingtem Haarausfall zugelassen. Der Wirkstoff beeinflusst den männlichen Hormonhaushalt: Aus Testosteron entsteht durch die Einnahme des Medikaments weniger Dihydrotestosteron (DHT, siehe Kapitel "Ursachen"). Finasterid verhindert oder verlangsamt dadurch die Zunahme des Haarverlusts, die vorhandenen Haare haben die Chance dichter nachzuwachsen. Auch hier gilt: Der Anwender muss Geduld mitbringen. Es dauert einige Monate, bis eine Wirkung erkennbar ist. Sobald die Anwendung unterbrochen wird, setzt auch hier der Haarausfall wieder ein. Der Wirkstoff ist verschreibungspflichtig. Nebenwirkungen wie Libidoverlust können vorkommen. Vor der Einnahme sollte daher eine ausführliche Beratung durch den Arzt erfolgen.

Finasterid ist für Frauen nicht zugelassen. Schwangere Frauen müssen den Kontakt zu Finasterid besonders sorgfältig vermeiden, da es zu einer Verweiblichung eines männlichen Fötus führt. In einer Studie an Frauen in den Wechseljahren kam es bei den teilnehmenden Frauen unter Einnahme von 1 mg (Milligramm) Finasterid pro Tag nicht zur Zunahme der Haarfülle. Einzelne Fallberichte und Fallserien an Frauen mit Finasterid 2,5 mg oder 5 mg zeigten eine gewisse Veränderung, hier fehlen aber kontrollierte Untersuchungen und es besteht keine Zulassung.

Für Frauen gibt es weiterhin noch die Möglichkeit, bei gleichzeitigem Verhütungswunsch eine "Anti-Baby-Pille" mit antiandrogener Wirkung zu nehmen. Auch wenn die Patientinnen an sich keine hormonelle Störung haben, kann dies positiven Einfluss auf ihr Haarwachstum nehmen.

Eine weitere Möglichkeit für Frauen sind östrogenhaltige Tinkturen zum Auftragen auf die Kopfhaut, welche das weitere Fortschreiten des Haarausfalls verhindern können.


Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)
Oft bessert sich die Krankheit nach einigen Monaten von alleine wieder, so dass keine Therapie erforderlich ist. Ist das nicht der Fall, kann eine Therapie mit Kortison zum Auftragen auf die kahlen Stellen begonnen werden. Außerdem besteht die Möglichkeit Kortison unter die Haut der haarlosen Stellen zu spritzen. Bei starker Aktivität des Haarausfalls sollte Kortison in Tablettenform – zum Beispiel als Stoßtherapie in abnehmender Dosierung für 1 Woche alle 3 Wochen – eingenommen werden. Falls auf den haarlosen Stellen trotz Kortisontherapien kein Neuwachstum der Haare zu erkennen ist, besteht die Möglichkeit einer Behandlung mit der Substanz Dicyclopropyphenon (DCP). Diese bewirkt auf der Kopfhaut eine Allergie. Das Immunsystem soll dadurch angeregt und quasi "abgelenkt" werden, was im Idealfall den Haarausfall stoppt. Es handelt sich nicht um eine zugelassene Therapie, sie wird nur in einzelnen spezialisierten Zentren angeboten. Auch die Einnahme von Zinktabletten in höherer Dosierung kann bei Alopecia areata unterstützen. Arzt und Patient sollten das Für und Wider der Therapie individuell abwägen.

Diffuser Haarausfall
Hier richtet sich die Therapie – wenn möglich – nach der jeweiligen Ursache. Sind Medikamente schuld, kann in Absprache mit dem behandelnden Arzt eventuell ein anderes Präparat verschrieben werden. (Achtung, Arzneien nicht eigenmächtig absetzen!). Bei einem Eisenmangel können Eisenpräparate eingenommen werden. Liegt eine Schilddrüsenerkrankung vor, sollte diese behandelt werden. Wenn der Haarausfall aufgrund einer Diät entstanden ist, sollte diese beendet werden und auf eine geeignete, ausgewogene Ernährung umgeschwenkt werden. Ein anders entstandener Nährstoffmangel ist dann hierzulande in den seltensten Fällen Ursache des diffusen Haarausfalls. Allgemein kann man sagen, dass der diffuse Haarausfall auch nach Beseitigung der Ursache – also zum Beispiel nach Beginn der Einnahme von Eisentabletten – noch zwei bis drei Monate anhalten kann. Das kommt dadurch, dass ein Teil der Haare schon in die Ausfallphase (Telogenphase) eingetreten ist und nach zwei bis drei Monaten ausfällt. Das Haarwachstum unterstützend kann man beim diffusen Haarausfall der Frau östrogen- oder minoxidilhaltige Lösungen auf die Kopfhaut auftragen.


Haarausfall bei Chemotherapie

Eine Chemotherapie, wie sie bei Krebserkrankungen zum Einsatz kommt, kann (muss aber nicht) mit einem Haarausfall verbunden sein. Für viele Patienten, vor allem für Frauen, bedeutet diese Medikamenten-Nebenwirkung eine große emotionale Belastung. Wer psychologische Unterstützung sucht, kann sich zum Beispiel an Psychologen wenden, die sich auf Krebserkrankungen spezialisiert haben (Psychoonkologen). Wenn Frauen den Haarausfall mit einer Perücke kaschieren möchten, übernimmt in der Regel die gesetzliche Krankenkasse die Kosten, sofern der Arzt sie verordnet. Bei Männern werden die Kosten für Perücken in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen. Es gibt Perücken aus Echthaar und solche aus Kunsthaar. Führen die individuell verordneten Chemotherapeutika bekanntermaßen zu einem Haarverlust, dann ist es günstig, eine Perücke – falls gewünscht – bereits im Vorfeld der Therapie zu planen. Spezialgeschäfte können dann individuell beraten und den Ersatz genau auf das eigene Haar abstimmen. Es gibt auch maßgeschneiderte Schminkkurse (organisiert zum Beispiel von Selbsthilfegruppen), in denen Betroffene lernen können, fehlende Wimpern und Augenbrauen nachzuzeichnen. Nach der Therapie wachsen die Haare im Normalfall wieder nach. Eine Perücke ist selbstverständlich kein "Muss". Viele Betroffene verzichten auch darauf, den Haarverlust zu verstecken, oder sie verwenden Kopfbedeckungen wie Hauben oder Tücher.

Haarverpflanzung (Eigenhaartransplantation)
Bei androgenetisch bedingtem Haarausfall bekommen Männer üblicherweise keine komplette Glatze, sondern es bleibt ein Haarkranz am Hinterkopf stehen. Das kommt daher, dass die Haarwurzeln in dieser Region weniger empfindlich auf männliche Geschlechtshormone reagieren als die übrigen Kopfhaare. Werden Haarwurzeln vom Hinterkopf an andere, lichter werdende Stellen verpflanzt, bestehen deshalb gute Chancen, dass diese Haarwurzeln auch an ihrem neuen Platz überleben und Haare sprießen lassen. Für eine Transplantation entnimmt der Arzt (häufig ein auf Haartransplantation spezialisierter Hautarzt) nach örtlicher Betäubung einen schmalen Hautstreifen samt Haaren vom Hinterkopf des Betroffenen. Die Haarwurzeln werden aus dem Haarstreifen herausgearbeitet und an der gewünschten Stelle wieder in die Kopfhaut eingesetzt. Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant. Die verpflanzten Haare fallen in der Regel erst einmal aus, um dann neu aus der Wurzel heraus zu wachsen. Bis ein Erfolg zu sehen ist, kann es einige Monate dauern. Das Ergebnis fällt individuell verschieden aus. Die Haarverpflanzung eignet sich auch bei manchen anderen Formen des Haarausfalls. Im Vorfeld sollte eine ausführliche Beratung zu möglichen Komplikationen, zu den Kosten und zum erreichbaren Erfolg stattfinden.