MIGRÄNE
Heftige Kopfschmerzattacken
Migräne ist eine häufige Form des Kopfschmerzes. Etwa sieben Prozent der Männer und fast ein Viertel aller Frauen sind davon betroffen. Im Vordergrund der Beschwerden stehen die anfallsartig immer wiederkehrenden heftigen Kopfschmerzen. Meist sind sie auf eine Kopfhälfte begrenzt, ein Seitenwechsel während des Anfalls ist aber ebenfalls möglich. Die genauen Ursachen der Migräne sind nicht bekannt. Eine vererbte Neigung dazu ist aber wahrscheinlich, in manchen Familien tritt sie gehäuft auf. Die Schmerzen entstehen durch eine krampfhafte Verengung der Blutgefäße von Hirnhaut und Gehirn. In den Gebieten, die von betroffenen Blutgefäßen versorgt werden, werden Sauerstoff und Zucker knapp. Diese Mangelversorgung führt zu Reizungen des Versorgungsgebietes und damit zu dem bekannten Schmerz. Autonome Gegenregulation der Gefäße lässt die Blutleiter danach übermäßig weit werden, was die Problematik noch verschlimmert.
Die Fehlregulation geht wahrscheinlich auf eine Störung im Hypothalamus zurück, einer tiefen Gehirnregion, in der die unbewussten Körperfunktionen gesteuert werden. Die Symptome, die den Schmerzattacken vorausgehen, lassen auf eine Reizung umschriebener Hirnareale schließen, welche die Gefäßspasmen mit auslösen können.
Auch wenn es keine Migränepersönlichkeit gibt, so scheint es doch so zu sein, dass psychische Auslöser wie Erwartungs- und Versagensangst, Anspannung bei sehr hoher Leistungsbereitschaft, zunehmende Verantwortung, Urlaubs- und Wochenendsituationen nach anstrengender Tätigkeit und unterdrückte Konflikte eine Rolle spielen. Etwas mehr prädisponiert sind Personen mit hohem Ehrgeiz und Wünschen nach Perfektion.
Beschwerden
Im Vordergrund der Beschwerden stehen die immer wiederkehrenden, heftigen Kopfschmerzattacken. Die Schmerzen sind dabei meistens auf eine Kopfhälfte beschränkt, können innerhalb eines Anfalls aber auch die Seite wechseln. Die Patienten empfinden die Schmerzen dabei oft als pulsierend oder pochend. Die Kopfschmerzphase ist bei allen Migräneformen zum Teil mit Übelkeit und Brechreiz gekoppelt. Viele Patienten sind während der Anfälle besonders Lichtscheu und können auch Lärm nicht vertragen. Sie ziehen sich meist in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurück.
Je nachdem, ob neben den Kopfschmerzen noch weitere Beschwerden bestehen, unterscheidet man die verschiedenen Formen. Bei der Migräne mit Aura (klassische Migräne) treten kurz vor der Schmerzattacke Störungen im Sehen auf. Die Betroffenen sehen Lichtblitze oder haben flimmernde Sehfeldausfälle, selten auch Ausfallserscheinungen einer Gehirnhälfte mit Lähmungen, Kribbeln, oder Sprachstörungen. Diese Phänomene halten dann zwischen 20 Minuten und einer Stunde an, bevor sie von den Schmerzen abgelöst werden. Die so genannte komplette Migräne hat weitere Symptome. Im Vorfeld der Schmerzen kommt es bei ihr zu einem Wechsel der Stimmungslage und des Verhaltens. Plötzlicher Heißhunger, starker Harndrang und Durchfall sind dabei mögliche Beschwerden. Sehstörungen können auch hier begleitend auftreten.
Meist beginnen die Schmerzattacken am Morgen. Es gibt aber auch etliche Triggerfaktoren, die Auslöser der Beschwerden sein können. Starker Alkoholgenuss, Übermüdung, Beginn der Regelblutung, verqualmte Räume, Massagen, Koffeinentzug sowie bestimmte Nahrungsmittel (Käse, Schokolade, Zitrusfrüchte) kommen dafür in Frage. Häufig beginnt die Migräne im Stress oder wenn eine belastende Situation gerade vorübergegangen ist.
Behandlung
Die Behandlung der Migräne ist vorwiegend medikamentös. Während der Anfälle sind nur Medikamente in der Lage, die Attacke zu durchbrechen. Im Intervall gibt es neben der vorbeugenden Dauermedikation weitere Heilmethoden, welche die nächste Episode hinauszögern können.
Haben die Schmerzen bereits begonnen, gibt man zunächst ein Mittel gegen Übelkeit (Metoclopramid, Domperidon, erst etwa 20 Minuten später ein Schmerzmittel. Azetylsalizylsäure, andere nichtsteroidale Antirheumatika, Paracetamol oder Metamizol kommen in Frage um die Schmerzen zu nehmen. Vorsicht vor Kombinationspräparaten, sie sollten generell gemieden werden.
Reichen diese Schmerzmittel nicht aus, gibt man neben den Mitteln gegen Übelkeit Ergotamin-Präparate, vorzugsweise als Zäpfchen, Nasenspray oder vom Arzt als Spritze in den Muskel. Tritt nach 60 Minuten keine Besserung ein, kann man eine weitere Dosis nehmen. Die Gefahr dieser Medikamente liegt darin, dass sie nach längerem Gebrauch selbst Kopfschmerzen auslösen können, die nicht von gewöhnlichen Migräneanfällen zu unterscheiden sind. Zudem können schon nach fünftägiger Therapie nach dem Absetzen körperliche Entzugserscheinungen mit erneutem Kopfschmerz auftreten. Die vorgeschriebene Dosisbegrenzung pro Tag und Woche sollte deshalb unbedingt eingehalten werden.
War keines dieser Medikamente wirksam, sind Triptane (Sumatriptan, Rizatriptan und weitere Geschwisterpräparate) das nächste Mittel. Etwa drei Viertel der Patienten kann damit geholfen werden - allerdings treten die Beschwerden bei der Hälfte der zunächst erfolgreich Behandelten dann 24 Stunden später wieder auf. Hat eine erste Gabe keine Wirkung gezeigt, ist es sinnlos, die Dosis zu erhöhen. Wenn Sumatriptan aber wirkt, bessert es auch die Begleiterscheinungen der Migräne, wie Lichtscheu, Übelkeit und Erbrechen. Das Medikament ist sehr teuer und kann ebenfalls Auslöser von medikamenteninduziertem Kopfschmerz sein.
Zur Reduktion der Häufigkeit und Schwere der Attacken sind Beta-Blocker und Calcium-Kanal-Blocker (Flunarizin)die Medikamente der Wahl. Auch Antiepileptika (Valproat, Lamotrigin) können in
der Prophylaxebehandlung der Migräne zum Einsatz kommen. Sie können die Kopfschmerzen nicht durchbrechen und werden nur im schmerzfreien Intervall gegeben. Eine Heilung ist auch durch sie nicht zu erreichen, sie verbessern aber die Lebensqualität und helfen, nebenwirkungsreiche Schmerzmittel einzusparen. Auch diese Mittel haben Nebenwirkungen und sind in ihrer vorbeugenden Wirkung den Entspannungsverfahren nicht überlegen. Eine Dauermedikation wird empfohlen, wenn die Anfälle in den letzten drei Monaten mehr als zweimal pro Monat auftraten oder häufig länger als 48 Stunden anhalten. Sie sollen nur unter ärztlicher Aufsicht mit individueller Dosierung und unter regelmäßiger Herz-Kreislauf-Kontrolle eingenommen werden.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
Während des Anfalls sind nicht-medikamentöse Heilverfahren wenig hilfreich.
Der Aufenthalt in einem abgedunkelten lärmarmen Raum ist für Mirgäniker erleichternd, manchen hilft etwas Schlaf oder kalte Umschläge.
Im beschwerdefreien Intervall ist vor allem das Meiden der auslösenden Triggerfaktoren von Bedeutung. Entspannungstechniken sind ebenfalls hilfreich dabei, die Anfallsfrequenz zu senken. Besonders eignen sich Stressbewältigungstraining und Autogenes Training . Manchen Patienten helfen auch kognitiv-verhaltensorientierte Psychotherapieverfahren. Schmerzbewältigungstraining, ein psychotherapeutisches Verfahren, ist in der Lage die Anfallshäufigkeit zu reduzieren und den Umgang mit der Krankheit zu verbessern.
Für einige Migräniker ist eine ambulante oder stationäre psychosomatische Behandlung der richtige Ansatz um psychogene Auslöser zu minimieren.
Sportliche Betätigung kann ebenfalls sinnvoll sein, Überforderung sollte man aber vermeiden. Eher leichten Betätigungen wie etwa Joggen, Radfahren oder Schwimmen ist dabei der Vorzug zu gegeben (Ausdauersportarten). Steht die Migräne im Zusammenhang mit der Einnahme von Östrogenen (Pille), müssen diese abgesetzt werden. Frauen, deren Beschwerden sich mit der Menopause bessern, sollten keine Hormontherapie erhalten.
Einige der Patienten können sich mittels Biofeedback Erleichterung verschaffen. Bei dieser Methode erlernt man mit Hilfe eines Messfühlers den Beginn einer Attacke abzufangen.