ALZHEIMER
Veränderungen im Gehirn
Die Alzheimer-Krankheit ist nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer benannt, der 1907 als Erster die Krankheitssymptome und die typischen krankhaften Veränderungen im Gehirn beschrieben hat. Diese Veränderungen entstehen durch Ablagerung von fehlerhaft gebildeten Eiweissstrukturen innerhalb und ausserhalb der Nervenzellen. Vor allem die Gehirnanteile im Schläfen- und Scheitelbereich sind betroffen.
Die Alzheimer-Krankheit führt zu...
- Störungen des Gedächtnisses
- Störungen der Sprache
- Störungen des Denkvermögens
- Störungen des Erkennens
- Störungen der Handhabung von Gegenständen
- Störungen der örtlichen und zeitlichen Orientierung
Die Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind bisher nicht geklärt, und so ist auch noch keine an den Ursachen ansetzende Therapie möglich. Die Medizin geht heute davon aus, dass die Alzheimer-Krankheit eintritt, wenn mehrere Schädigungsfaktoren zusammenkommen. Ausserdem besteht bei den Patienten vermutlich eine Veranlagung für diese Erkrankung.
Bei der Alzheimerkrankheit ist der Untergang der Nervenzellen dramatisch: Er beginnt in einem Hirnteil namens Hippocampus, zerstört diesen nahezu vollständig, lässt aber auch die graue Substanz im ganzen Gehirn allmählich schrumpfen, während die Hirnventrikel – mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume – grösser und grösser werden.
Der Abbau von Nerven beginnt schleichend, und zwar schon lange vor den ersten Symptomen. Während 10 bis 15 Jahren lagern sich aus unbekannten Gründen Eiweissklümpchen, Amyloid-Plaques, im Gehirn ab – das ist Gift für die Nervenzellen. Sie sterben massenhaft ab, ohne dass die Betroffenen etwas davon merken. Erst wenn Milliarden der Nervenverbindungen untergegangen sind, wirken sich die Schäden spürbar und immer stärker aus: Das Erinnerungsvermögen schwindet allmählich.
Bei der Ablagerung der Eiweisse im Gehirn spielen mehrere Gene eine gewisse Rolle. Doch für den Ausbruch der Krankheit braucht es mehr. Was genau – das wissen die Forscher noch nicht. Wie die Verheerung abläuft ist dagegen ziemlich genau bekannt: Beim Auswachsen von neuen Nervenfortsätzen entstehen als funktionslose Abfallprodukte kleine Eiweissstückchen, so genannte Amyloid-Beta-Peptide. Im Normalfall bauen Enzyme sie ab – und nichts passiert. Übersteigt hingegen die Menge dieser Peptide einen bestimmten Wert, verändern sie ihre Struktur, die Enzyme verlieren ihre Wirkung, die Amyloidstückchen lagern sich zusammen ab und bilden die giftigen Plaques – ein heute noch unumkehrbarer Prozess.
Medizinisch verläuft Alzheimer in drei Phasen:
Erstes Anzeichen ist meist die Vergesslichkeit - besonders wenn es um Dinge geht, die noch nicht lange zurückliegen (Kurzzeitgedächtnis). Schon kleine Veränderungen können zu Orientierungslosigkeit führen: zum Beispiel Schmutz auf der Windschutzscheibe des Autos. Oder der Himmel, der sich bewölkt. Verwirrung, Unsicherheit und Frustration rufen nicht selten starke Stimmungsschwankungen (Depressionen) hervor.
In der zweiten Phase wird das selbstständige Erledigen alltäglicher Aufgaben wie Baden und Anziehen schwierig. Zwanghafte Verhaltensweisen kommen hinzu: Manche Patienten räumen zum Beispiel ununterbrochen den Schrank ein und aus, sind rastlos, wandern auch nachts umher.
Schliesslich sind die Patienten vollkommen von Hilfe abhängig. Unruhe und Rastlosigkeit ebben ab. Die Kranken nehmen sich selbst und ihre Umgebung kaum noch wahr.
Diagnose
Mithilfe einiger leicht durchzuführender Tests kann schon der Hausarzt prüfen, ob eine Demenz oder normale Vergesslichkeit vorliegt. Diese Tests enthalten Fragen zur räumlichen und zeitlichen Orientierung, zum Erinnerungsvermögen und zur Wortflüssigkeit.
Ganz neu ist ein Test, der in kurzer Zeit erlaubt, eine Altersdepression von einer Demenz abzugrenzen, der «Test zur Früherkennung von Demenzen mit Depressionsabgrenzung» (TFDD). Da Depressionen gut behandelt werden können, ist es wichtig, die beiden Krankheitsbilder schon sehr zeitig voneinander zu scheiden. Hierbei müssen zum Beispiel eine Wortliste nach fünf Minuten wiedergegeben werden, Datum und Jahreszeiten benannt und zugeordnet sowie möglichst viele Tiernamen aufgezählt werden. Spezielle Fragen beschäftigen sich mit der Selbst- und Fremdbeurteilung (durch den Angehörigen) einer Depression («Wie schätzen Sie Ihre Stimmung ein?»).
Dem Hausarzt kommt bei der Früherkennung als erstem Ansprechpartner eine besondere Rolle zu. Dabei gibt es zwei Probleme: Einerseits schämen sich die Patienten, bei vordergründig erhaltener Fassade die Krankheit aufgrund ihres schlechten Rufes zuzugeben. Andererseits fürchten sie die Examenssituation. In einer angenehmen Atmosphäre wird die kognitive Leistungsfähigkeit des Patienten anhand einfacher Fragen und Handlungsanweisungen getestet.
Vielerorts gibt es Gedächtnissprechstunden, die sich auch die Früherkennung von Demenzerkrankungen zum Ziel gesetzt haben.
Die Möglichkeiten der medikamentösen Behandlung der Alzheimer-Krankheit haben sich in den letzten Jahren verbessert. Die Fortschritte betreffen sowohl die Medikamente zur Steigerung und Stabilisierung der geistigen Fähigkeiten und der Alltagsbewältigung als auch die Arzneimittel zur Behandlung von Begleitsymptomen wie Angst, Depression oder Unruhe.
Therapie
Alzheimer kann heute noch nicht geheilt werden. Eine ursachenbezogene Therapie der Alzheimer-Krankheit ist bislang nicht möglich. Allerdings können die geistigen Fähigkeiten gesteigert oder stabilisiert werden. Das Fortschreiten der Erkrankung kann man dadurch aufhalten. Die Therapie der Demenz erfordert einen umfassenden, ganzheitlichen Ansatz, dabei werden Medikamente und andere Therapieformen (nichtmedikamentöse Therapien) einbezogen.
Das individuelle Ziel der Therapie ist der Erhalt von Alterskompetenz und Lebensqualität. Die Prognose der Erkrankung wird durch eine frühzeitige konsequente Therapie verbessert. Wie bei anderen chronisch degenerativen Erkrankungen ist bereits das zeitweise Bremsen oder Stoppen des Fortschreitens der Erkrankung als Erfolg zu werten.
Die ganzheitliche Behandlung bewirkt:längere Erhaltung der Kompetenz und der subjektiven Befindlichkeit der Patienten Entlastung der pflegenden Angehörigen Verhinderung des Fortschreitens demenzieller Erkrankungen Verzögerung der Einweisung in PflegeeinrichtungenDie sekundären Demenzen, und darunter fällt jede zehnte Demenzerkrankung, bieten über die Therapie der Grunderkrankung zum Teil gute Heilungschancen.
Nichtmedikamentöse Behandlung
Für Demenzkranke sind Verlässlichkeit und Stabilität der Umwelt von grosser Bedeutung. Die begleitenden Behandlungmassnahmen müssen unbedingt die begrenzten Bewältigungsmöglichkeiten der Demenzpatienten berücksichtigen, sie weder unter-, noch überfordern.
Begleitende Massnahmen können sein:Bewegungstherapie Aktivierung des Gehirns (Hirntraining) Soziotherapie (Betreuung und Pflege) Psychiatrische und/oder psychologische TherapieMedikamentöse Behandlung
Bei rechtzeitig einsetzender Behandlung im frühen Stadium der Erkrankung kann mit bestimmten Demenzmedikamenten eine Verlangsamung des Abbauprozesses der Nervenzellen und damit des Fortschreitens dieses bisher unheilbaren Leidens erreicht werden.
Folgende Medikamente werden eingesetzt:
- Antidementiva/Nootropika (Medikamente zur Steigerung des Hirnstoffwechsels und der Hirndurchblutung: Memantine, Acetylcholinesterase-Hemmer)
- Phytotherapeutika (Ginkgo biloba, Johanniskraut)
Alle diese Medikamente müssen vom Arzt verschrieben werden. Er prüft, welches Medikament für den Patienten notwendig ist. Wenn Sie Fragen - vor allem bezüglich neuer Medikamente und Behandlungsformen - haben, sollten Sie diese auf jeden Fall mit Ihrem Hausarzt, Neurologen oder Geriater besprechen.
Weitere Informationen unter: Alzheimer Forum
